Tag-Archiv für 'limited-editions'

exklusive Modeindustrie

Beim Blogsurfen wieder mal bei unkultur reingeschaut und diesen Artikel über Street Wear gefunden. Dabei ist mir eingefallen, dass ich zu so einem ähnlichen Thema über Subjektivität und Personalisierung auch mal was geschrieben habe.

Künstliche Verknappung

Eine weitere Möglichkeit, mit der die Industrie den Kunden aus dem Dilemma immer gleicher Massenware befreien möchte, ist die künstliche Verknappung: »Limited Editions« sind inzwischen in Massen am Markt präsent, etwa im Bereich der Schokoladenfabrikation. Spitzenreiter ist hier wohl die Turnschuhindustrie. Jedes zweite Modell ist limitiert.38 Schuhe in ihrer bloßen Notwendigkeit als Fußschutz haben längst ausgedient. Limited Editions codieren hier Hipness, Insiderwissen und Szenezugehörigkeiten. Extrem seltene Schuhmodelle, wie zum Beispiel der Nike Berlin Vandal (es existieren nur 24 Paare), werden exklusiv auf einem bestimmten Event zum Erwerb angeboten.

Der Schuh möchte primär das Spezialwissen kommunizieren, das dem Träger erst zu diesem verholfen hat; er wird vom Besitzer stolz als äußeres Zeichen seiner (selbst empfundenen) Coolness präsentiert. Generell sind solche in Kleinserie produzierten Schuhe nur in ausgesuchten Shops erhältlich und damit nicht für jedermann zugänglich. Die Verknappung bestimmter Modelle führt nahezu notwendigerweise zum Sammeln: das Überraschungsei-Prinzip. Die Bedeutung der Sammlung soll auf die Bedeutung des Sammlers verweisen. Je mehr seltenes Schuhwerk man sein eigen nennt, desto höher steigt man in der Wertigkeit bei anderen Insidern. Jedenfalls lässt man sich diese erworbene Bedeutung der eigenen Person durchaus etwas kosten; ein Fachmann für seltenes Schuhwerk äußert in einem Interview: »Die haben enorme Summen geboten und für adidas Radikal neu im Karton bis zu 2.400 Mark bezahlt.«39

Ganz so schön, wie der limitierte Traum der Besonderheit durch Kaufen glauben machen möchte, ist er nicht. (mehr…)