Tag-Archiv für 'antiimp'

Mate als Ideologievorwand?

Eine der Spezifikas Berlins sind sogenannten Spätkaufs oder auch liebevoll Spätis genannt. Jederzeit einfach aus dem Haus und Waren des sogenannten alltäglichen Bedarfs von Milch über Kippen bis Bier einkaufen, das ganze wesentlich günstiger als an einer Tankstelle. Manche haben sogar 24 Stunden auf. Bei mir in der Ecke läßt die Spätidichte auf extremen Zuspruch schließen, innerhalb von 400m sind 5 Stück.

Die dort arbeitenden Menschen tun das, um damit im hier und jetzt über die Runden zu kommen. Irgendwo in Berlin scheint das anders zu sein. Bei Wendy im Kiez arbeiten Schweine im Späti, die sich dann auch noch durch extreme Geldgeilheit auszeichen. Ich weiß nicht in welcher Zoohandlung Wendy Mate einkaufen geht. Vielleicht läßt sich das Getier aber mit einer vorgehaltenen 08/15 davon überzeugen, statt 08 Cent doch 15 Cent als Pfand zurück zu erstatten. Vielleicht auch einfach nach Lichtenberg ziehen, der Weitlingkiez soll ja sehr beliebt sein. Viele dort sind weniger links aber genauso deutsch, die Begeisterung für 08/15 – ob Bier oder Flaschen wird dort bestimmt auch geteilt und nebenher gibt es dann ne Einführung in die deutsche Waffenkunde des Ersten Weltkrieges. Gegen geldgeile Schweine haben die mit Sicherheit auch was.

wenn das Identitäre wichtiger wird, als der Inhalt

Immer wieder Pali, langweilig. Trotzdem gab es gestern einen Kommentar auf narodnik, der mit seinem beschissenen hetzenden antisemitischen Inhalt eindeutig die Anschlussfähigkeit gezeigt hat, die den Palilappen egal aus welcher Motivation heraus als Symbol linker Inhalte disqualifiziert. Von Weltverschwörung, völkischem Widerstand bis zum großen Zion-Feldzug war alles dabei. Die deutsche Rechte hat sich auch nicht ein linkes Symbol angeeignet, sondern dem Symbol an sich waren schon immer rechte Inhalte immanent. Die Hetze hat narodnik richtigerweise so schnell wie möglich wieder gelöscht. Meinen Kommentar dazu auch, was wiedermal schön zeigt, dass die deutsche Linke lieber zensiert, um weiterhin in ihrem schönen falschen illusorischen Gebäude symbolgenerierter linker Identität zu bleiben, anstatt sich einzugestehen, dass wunschimplizierte Bedeutungen und Konstrukte nicht verhindern können, dass die dem Zeichen ursprüngliche Bedeutung Anschluss findet. Das Palituch war als Bauernbekleidung kein Symbol. Bedeutungsträger wurde es erst danach und an dieser Bedeutung richtet sich jede spätere Mythengenerierung aus.

Gestern den Antisemitenmist gelöscht – heute schon wieder einen Verteidigungstext des Lappens verlinkt. Das identitäre Konstrukt, und damit die eigene Subjektivität, ist einem Teil der deutschen Linken wichtiger, als inhaltliche Problematik. Das Außen muss ignorant verteidigt werden, da ansonsten der Trigger zur eigenen linken Wunschwelt fehlt. Anti-antideutsche Hetze scheint narodnik wichtiger zu sein, als sich mal inhaltlich mit der Problematik auseinanderzusetzen und mal zu hinterfragen, aus welchem Grund es auf seinem Blog solche Kommentare gibt, die seinem geposteten Beitrag widerspruchslos zustimmen und einen Schulterschluss zur Querfront gegen antideutsche Positionen üben.

Update:

unbewusste Selbstproletarisierung als emanzipatorischer Fauxpas

Hier im Blog schon mal als äußerst bemerkenswerten Gedankengang Gerhard Hanlosers erwähnt, folgt nun eine eingehendere Betrachtung des unreflektierten Konstrukts. Hier noch mal der Schlüsselsatz des Pamphlets:

Ganz im Gegensatz dazu kommen die demonstrierenden Palituch-Kids meist aus gutbürgerlichen Elternhäusern, von denen sie sich abzusetzen trachten. Bei ihnen ist es unbewusste Selbstproletarisierung unter internationalistischem Vorzeichen.

Im Folgenden soll es nicht um das Stück Stoff an sich gehen, sondern um die sehr viel mehr faszinierende Selbstproletarisierung mittelmäßiger Kids.

Der Nachwuchs des Bürgertums vollzieht durch die kapitalistische Aneignung, denn eine solche ist die Inbesitznahme von Symbolen differenter kultureller Äußerung durch Erwerb aus dem globalisierten Angebot zweifelsfrei, und Zweckentfremdung für eigene Absichten einen Klassenwandel. Dabei wechseln sie nicht nur unbewusst ins Lager des Proletariats, sondern schmeißen gleich noch das Konzept bürgerlicher Nationalstaaten in die Tonne. Das Symbol mit all seinen ursprünglichen Konnotationen hat auf Demonstrationen der deutschen Linken keine einzige seiner Bedeutungen als Funktion. Stattdessen wird es für eine sogenannte internationalistische Solidarität funktionalisiert und dient der Selbstdarstellung des Mittelmaßes als des besseren Proletariats. Die Aneignung des Symbols lässt bürgerliche Kids sofort in eine Art Elite-Proletariat aufsteigen – denn dieses hat sich seine Klasse selbst gewählt, im Gegensatz zum Rest der proletarischen Klasse, denen ökonomisch unterdrückt und ausgebeutet eine Wahlmöglichkeit verwehrt war.

Nun kann den Kids kein Vorwurf deshalb gemacht werden, schließlich erfolgte diese Wahl nicht reflektiert sondern unbewusst. Ein Beitritt ohne Absichtserklärung. Opfer einer internationalistischen Maschine, die sie durch Parolen verführt hat das Tuch anzulegen und auf eine Demo zu gehen, ausgenutzt aufgrund des Wunsches, sich von der eigenen gutbürgerlichen Familie abzusetzen. Zu dumm nur für die Internationalisten, dass der neugewonnene Klassenzuwachs nicht im Klassenkampf zu gebrauchen ist. Unbewusst selbstproletarisiert verbringen die bürgerlichen Kids den Rest ihres Daseins mit Unbehagen in der Mitte. Ein Unbehagen, dass sie sich selbst leider nicht erklären können, schließlich wechselt das Unbewusste nicht von selbst auf die Bewusstseinsebene – es ist ihnen unmöglich sich selbst aus Hanlosers Fängen zu befreien. Internationalisten sollten schleunigst eine Menge Psychoanalytiker rekrutieren, die das Klassenbewusstsein so bald als möglich ins Ich holen, um zu verhindern, dass die gerade gewonnenen Klassengenossen nicht ein vereintes neurotisches Proletariat bilden.

Durch den geschickten Zug der unbewussten Selbstproletarisierung werden die neuen Genossen der Möglichkeit der Selbstreflexion beraubt. Das Subjekt kann sich nicht mehr vom Anderen abgrenzen – der Weg ins Ich des Proletariats ist verwehrt, trotz generierter Zugehörigkeit. Lacans Spiegelstadium oder Althussers Ansprache werden unmöglich, alle Belange und Interessen des Proletariats finden keine Adressaten mehr. Es kann davon ausgegangen werden, dass ein nicht zu unterschätzender Prozentsatz der Palituch-tragenden deutschen Linken einen bürgerlichen Background aufweist. Sie alle haben den von Hanloser deklarierten Prozess der unbewussten Selbstproletarisierung durchlaufen und verharren nun in apathischer Handlungsunfähigkeit. Diese deutsche Linke manifestiert die herrschenden Verhältnisse und rekrutiert immer neue Mitglieder für das neurotische Proletariat. Hanloser betreibt eine Absage an den Klassenkampf – er beraubt das Proletariat seines Bewusstseins und seiner Handlungsfähigkeit. Innerhalb der antiimperialistischen Linken agierend ist er für sie gefährlicher als die antideutschesten der Antideutschen. Seine Polemik gegen diese dient nur der Ablenkung von der eigenen Absicht.