Kalkül und Wahn, Vertrauen und Gewalt: Von der “Finanzkrise” zum autoritären Staat

Kalkül und Wahn, Vertrauen und Gewalt: Von der “Finanzkrise” zum autoritären Staat – Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn (ISF).

Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Gleichwohl: Die Gesellschaft der totalen Konkurrenz ist in heller Panik, sie wird sich zersetzen und zerstören. Unmöglich noch kann sie die Bedingung der Möglichkeit ihrer eigenen Existenz aus sich selbst heraus reproduzieren: der vollendet autistische Selbstbezug des Kapitals, die losgelassene Akkumulation um der Akkumulation willen, die „”Plusmacherei”“ (Marx) rutscht ins historische Minus, zerbricht an sich und eben daran, daß die Gesellschaftlichkeit der Individuen als Subjekte bloß auf dem generalisierten Ausschluß aller durch alle gründet, der, eben in den Formen von Wert, Geld, Kapital den totalen Einschluß stiftet, d.h.: die gesellschaftliche Synthesis als vollendet negative. In der Panik wird sich die falsche Gesellschaft ihres eigenen Widersinns inne, allerdings in einer nur noch verrückteren Form, einer Form, die das bankrotte Kalkül der Ökonomie vermittels des Wahns der Politik zu therapieren verspricht, tatsächlich zu überbieten sucht: der Form eines paranoiden Souveräns, der den Triumph des Willens über den kapitalen Sachzwang beschwört und so gerade die Angst vor dem Chaos schürt, darin die Flucht nach vorn anpeitscht und so auf den autoritären Staat provoziert, auf den Ausnahmezustand, d.h. auf die ursprünglich faschistische Situation: denn nichts anderes ist der „”Preis des Marktes“” als das politisch, vermittels des Gewaltmonopols auf Leben und Tod erzwungene Opfer der Individuen.

Joachim Bruhn ist Mitglied der Initiative Sozialistisches Forum. Von ihm erscheint demnächt: „Was deutsch ist. Zur kritischen Theorie der Nation“ (ça ira: Winter 2008).

Mittwoch 26.11.
20:00 Uhr
Tristeza – Pannierstr. 5 Berlin (U Hermannplatz)

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3 Antworten auf “Kalkül und Wahn, Vertrauen und Gewalt: Von der “Finanzkrise” zum autoritären Staat”


  1. 1 Das geprüfte Argument 24. November 2008 um 14:13 Uhr

    Da stimmt ja tatsächlich kein Satz! Am liebsten ist mir der hier:

    Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.

    Hmm, eine Prognose bzgl. der Vergangenheit bzw. Gegenwart ist tatsächlich sehr leicht, aber auch keine Prognose mehr…tze!

  2. 2 der Klassensprecher von 1984 24. November 2008 um 17:39 Uhr

    @dgA:

    Das ist ein Zitat, dass i.A. Niels Bohr zugeordnet wird.
    Also hier bloss ein wenig bildungshuberische Witzischkeit, nicht so ernst nehmen.

  3. 3 scheckkartenpunk 25. November 2008 um 16:01 Uhr

    [ 1 ] Dieser gute Satz soll von Mark Twain stammen, auch wenn die Finanzpresse das als ihren Persilschein zitiert. Wir führen ihn nur an, um gleich eingangs auf den ontologischen Unterschied (und nicht auf die diskursive Differenz) zwischen Information und Begriff hinzuweisen. Der Begriff des Kapitals liegt im Kapital von Marx seit 1867 vor; ihn stündlich aus dem DAX ablesen zu wollen und im ARD-“Brennpunkt” zu kommentieren, das heißt, die Echtzeit der kapitalen Vergesellschaftung unterschreiten zu wollen, d.h. den Vorsprung des Souveräns zu akzeptieren, heißt, ihm den Vortritt bei der Abwehr des Chaos zu geben. – Es versteht sich also, daß die viel zu vielen Fußnoten im folgenden nichts zur weiteren Diskussion stellen, sondern einzig das illustrieren, was sich vernünftigerweise von selbst versteht: den Widersinn des Kapitals. Alles andere nennt man auch, linksdeutsch: An den Interessen anknüpfen; die Menschen dort abholen, wo sie stehen etc. pp: Die Revolution wird jedoch kein Sammeltaxi sein.

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