Archiv für Februar 2008

Musik für umme

Diesmal zeigt sich Plemo spendabel. Neben seinem Hit „Randale“ gibt es die neue Version von „Exzess Express“ auf Bavarian Open Source. Der Punk findet sowas gut.

pc beeper shut up

Schonmal mit Kopfhörern vorm PC gesessen und dann den Systembeep in unsäglicher Laustärke auf die Ohren bekommen? Passiert mir manchmal und das nervige ist, dass sich dieser Ton nicht von der Lautstärkeregelung der Windowsoberfläche in den Griff kriegen läßt. Doch über Abhilfe bin ich heute gestolpert:

Endlich! Endlich habe ich einen Weg gefunden, den PC Beeper endgültig auszuschalten. Der DOS Befehl

net stop beep

tut genau das! Man erstelle sich ein Textfile (pcstumm.txt), tippe diese 3 Worte hinein, speichere es, benenne es um in pcstumm.bat und kopiere es in den Autostart-Ordner im Windows Startmenu.

Ich brauchte so etwas dringend weil mein Laptop es für witzig hält, mir den PC Beep im Kopfhörer mit ungefähr 100 dB Lautstärke wiederzugeben. Und dabei bin ich schon das eine oder andere Mal schier vom Stuhl gefallen. Danke an Sid, von dem dieser Tipp kommt.

via todamax

Musik für umme

Beatport hat jetzt eine Schwester: Beatsource. Auf Beatsource gibt es sogenannte Urban Music – also von Hip Hop bis Grime alles was ins Cliché paßt. Zur Neueröffnung gibt es links unter Beatsource Promotions 10 Tunes zum freien Download.

Musik für umme

Heute schon geärgert, daß der Link aus dem MySpace-Bulletin von MySpace selber schon zensiert war. Jetzt doch:

>>>räuberhöhle – shake yr anus kid whatever remix.mp3 – 7.11MB

krawalla sei dank.

Subversive Theorie – „die Sache selbst“ und ihre Geschichte

Die Abschlußvorlesung von Johannes Agnoli gibt es hier als MP3-Download. Dieser wäre 83 Jahre alt geworden. Die vergriffene Vorlesung in Buchform gibt es bei Amazon ab sage und schreibe 80 Euro.

Ganz besonderer Dank an nada dafür.

Daten als Produktionsmittel

In einer Buchbesprechung über das „Anti-Medien-Buch“ von Hektor Haarkötter geht es unter anderem auch um die Datenakkumulation der Werbeindustrie. Passend dazu hier wieder ein Fragment aus einem älteren Werk von mir, wobei die Problematik nicht nur die Werbeindustrie betrifft:

Jagen und Sammeln – über die Kontrolle von Daten

Die Personalisierungsstrategien der Industrie zielen keinesfalls auf eine Verbesserung der Lebenssituation des Einzelnen ab. Vielmehr dienen sie der Sicherung des Absatzes von Waren, also neben Produkten auch von Dienstleistungen und Mitteilungen. Durch eine möglichst genaue Analyse der Vorlieben und Neigungen der »gläsernen« Kunden und die direkte Adressierbarkeit kann eine künstliche Generierung von Bedürfnissen über geeignete Marketing-Maßnahmen relativ einfach in die Wege geleitet werden, das Direct-Marketing wird erst infolge der Personalisierung tatsächlich »direkt«.

Die Datenbanken mit Profilinformationen sind eine reichhaltige Quelle für Marktforscher und Vertriebsabteilungen. Der eigentlich anonyme Markt wird so immer weiter zerlegt und klassifiziert, ohne dass man deshalb tatsächlich auf individuelle Wünsche einginge. Das Individuum ist also nur gänzlich abstrakt kategorisiertes Zielobjekt der Unternehmens-Strategien. Gerade im Zuge der Personalisierung, also einer erklärten Anpassung von Angeboten an persönliche Bedürfnisse bzw. der Ausrichtung auf Einzelpersonen, wird das Subjekt also zum Objekt, zweifach repräsentiert durch eine Ansammlung von Daten und eine zugehörige, eindeutige Adresse. Personalisierung bedeutet aus der Sicht der Industrie dementsprechend »…die Führung eines erfolgreichen Verkaufsgespräches«, »…die effektive Beantwortung von Kundenfragen« und vor allem »… die Maximierung der Werbeerlöse«.59

Als wirksames Mittel zur Kundenbindung und Intensivierung der Kundenbeziehung erhalten damit die gesammelten persönliche Daten im Marktmechanismus selbst eine fundamentale Bedeutung, die sie also solche kapitalisierbar macht. Die Handelbarkeit von Daten hat beispielsweise das Berufsfeld der »Adresshändler« entstehen lassen. Des Weiteren werden Datenbestände von insolventen Firmen als so lohnendes Investment gesehen, dass sogar Firmenübernamen ausschließlich aufgrund der Aneignung dieser sensiblen Daten initiiert werden. Der Kapitalwert der Daten wird gegenüber dem User als Datenlieferanten, wenn überhaupt, nur marginal thematisiert, geschweige denn, dass dieser am Profit mit »seinen« Daten beteiligt würde.

Durch ihre Bedeutung im Differenzkapitalismus des Mainstream der Minderheiten gewinnen persönliche Daten künftig wohl immer mehr an Bedeutung und können derzeit als die große Kapitalquelle der »Wissensgesellschaft« angesehen werden. Durch unentgeltliche Sammlung dieser Daten im Zuge der Strategie einer »Personalisierung« eignet sich der Kapitalismus die Lebenswege einzelner an – und zwar dauerhaft. Man könnte sogar von »Lebenswerk« sprechen: Persönliche Daten sind insofern als Lebenswerk zu verstehen, als neben personenbezogenen Daten wie Größe, biologischem Geschlecht oder Alter gerade auch persönliche Präferenzen aller Art beinhaltet sind, welche durch die tägliche Auseinandersetzung des Individuums mit seiner Umwelt, den gesellschaftlichen Gegebenheiten und Angeboten erarbeitet werden. Hier leistet der Einzelne unbezahlte Arbeit, die er größtenteils in seiner Freizeit vollbringt und exhibitioniert sich zudem in beträchtlichem Maße.

Trotz vorhandener Technologie, Profile auf Seiten des Anwenders zu speichern, wird ein Großteil serverseitig gesammelt und entzieht sich damit jeder Kontrolle des Einzelnen. In diesem Umfeld entstehen zudem Problematiken wie das so genannte »Data-Phishing«. Data-Phishing setzt sich aus den englischen Wörtern »profile« und »fishing« zusammen und beschreibt die neueste Form des Datenraubs. Durch eine E-Mail mit vorgetäuschtem, glaubwürdigen Absender von Profildatenbanken wie eBay, Versicherungen oder Banken werden User unter dem Vorwand einer Kontrolle der Registrierungsdaten durch einen Link auf eine Seite gelenkt, welche wie die Homepage des entsprechend Inhabers aussieht. Hier gibt der User seine Registrierungsdaten freiwillig heraus. Nach einem Bericht von Gartner entstand 2003 in den USA so ein Schaden von rund 1,2 Milliarden Dollar.60

Das Problem könnte nicht aufkommen, wenn Daten nur Client-seitig gespeichert werden dürften, da der User sehr wohl weiß, wann eine erneute Erfassung der Daten notwendig wäre und diese dann lokal innerhalb seines eigenen Systems erfolgen würde. Die Kontrolle der Daten ist jedoch, wie oben erwähnt, ein »natürliches« Bestreben der Industrie.61

Erst der Besitz dieser Daten bringt sie in die Position, in einem segmentierten Markt eine aggressive oder, in ihrer eigenen Sprache: »proaktive« Marketingpolitik betreiben zu können. Das Kontrollstreben zwecks Profitmaximierung als »natürlich« zu bezeichnen, impliziert natürlich eine Haltung – muss das erwähnt werden? – welche die gegenwärtig historisch gewordenen Verhältnisse selbst als »natürlich« voraussetzt. Alternativen werden als von Grund auf »unnatürlich« aufgefasst und damit als indiskutabel markiert. Die Aneignung, Kontrolle und Konzentration der Produktionsmittel, zu denen persönliche Daten inzwischen gehören, ist dem Kapitalismus immanent. Dieser ist jedoch, zumal in seiner gegenwärtigen Form, keineswegs etwas Natürliches. Seine Anliegen sind damit auch nicht als natürlich rechtfertigbar. Doch erklärt dies immerhin, hinzugenommen noch die gleichfalls »natürlichen« Interessen des Staates, seine Bürger zu kontrollieren, zu Genüge die Praxis, User-Profile Server-seitig zu verwalten.

59 Gerd Kamp, Senior Manager – Mobile Solutions, Bertelsmann mediaSystems, Personalisierung & Mobile CRM – Ein Diskussionsbeitrag.
60 Angaben aus PC Professional, 7/04, München 2004, S. 3
61 vgl. Michael Merz: E-Commerce und E-Business – Marktmodelle, Anwendungen und Technologien. Heidelberg 2002, S. 539 und 517

Musik für umme

Supershirt stellen einen Remix zum freien Download.

>>>Microstern – Perfect Taste (Supershirt Remix)

>>>Microstern – Perfect Taste – Original

in eigener Sache

der Scheckkartenpunk jetzt auch bei myspace

Rave ist kein Hobby!: Lieber die Taube in der Hand…

So langsam wurde es wieder Zeit für nen neuen Mix.

Tracklist:

atlantis to interzone (digitalism rmx) – klaxons
drugs – felix cartal
pick your poison (jfk rmx) – mr miyagi
dooms night (laidback luke rmx) – azzido da bass
tetris (tocadisco edit) – kid dub
my head (para one rmx) – boys noize
open your eyes (surkin rmx) – spencer parker
dundun-dun mix 3 – para one
discotech (electrixx rmx) – aaren san
is you – d.i.m.
why not?! – alter ego
gutterpump – noisia
soulfreaka – philipe de boyar
lava lava – boys noize
vamp (dirty disco youth’s rave work) – outlander
the kids want maximal – dirty disco youth
vice (saint pauli extended rmx) – the floor is made of lava

type: MP3 166Kb/s VBR
style: Elektro

>>>download

kurze Zwischenbilanz der bisherigen Mixe:

Kontrollverlust: 580
Gegenstylewechsel: 415
Auf den Punkt: 587

über Zizek

Da mir hier der Mythos einer Zizekgefolgschaft und sogar Zizekfandom angehangen werden:

Ich habe Zizek genau einmal verwendet in meinen Texten (mit seinem Modell der Geldinhaberposition, und das finde ich nach wie vor gut). Nur weil die Position vertreten wird, daß um Zizek folgen zu können (gedanklich, in den Begriffswelten, in der Konstellation des lacanschen Dreiecks, in seinem Verständnis der Psychoanalyse), um zu verstehen, was er meint, dieses überhaupt einordnen und damit auch die Eignung von Fragmenten prüfen zu können (welches selten ohne Erläuterung funktioniert) ergibt sich aus diesem „folgen“ mitnichten eine Gefolgschaft.

Zizeks Beiträge sind oft hanebüchen, wie die hamburger Bahnhofsgeschichte. Diese ist eine gute Illustration eines Symptoms mit einer falschen Beschreibung historischer Gegebenheiten. Was die modellhafte Beschreibung des Symptoms nicht schlecht macht – aber die wörtliche Verwendung seiner Phantasterei grundweg inhaltlich falsch ist. Wird nun die psychoanalytische Absicht (Erklärung eines Symptoms) weggelassen, so steht in diesem Fragment Zizeks schlichtweg Unsinn.

So verhält es sich mit vielem, was er zu Papier gebracht hat. Gerade seine Äußerungen über politische Vorgänge sind oft fragwürdig – aber Zizek ist kein Politikwissenschaftler. Er benutzt, um zu illustrieren. Ihm geht es um anderes – was ihm vorzuwerfen ist, ist genau das, dass er seine Illustrationen nicht mehr prüft und in kauf nimmt, daß diese unhinterfragt wörtlich verwendet werden. Kaum eine seiner Erklärungen ist wirklich durchdacht, hektisch springt er durch die Illustrationen zu seinen Theorien. Über mehre Bücher wird auffallen, dass er sich bei der selben Thematik selbst widerspricht, oft nicht mal Ahnung von der Materie hat. Zizek eignet sich für abstrakte Modelle. Er kann gelesen werden, aber dann muss er dabei auch verstanden werden – und danach ist eigentlich klar: Zizek findet Verwendung auf abstrakter Ebene – für alles andere ist er nicht zu gebrauchen.

das lysische Paradoxon II

„Der Bau der Mauer war in jedem Fall eine Maßnahme, um zu verhindern, dass weiterhin Westdeutsche in die DDR konnten“

so Christel Wegner im allseits bekannten Interview – und zwar um zu verhindern, daß der Westen den Osten wirtschaftlich dadurch schädige, indem er ihn billig auskaufe. Die wirtschaftliche Schädigung bestand allerdings auch darin, daß dem Osten durch den nicht abreißenden Flüchtlingsstrom in den Westen die zum Aufbau notwendigen Arbeitskräfte auszugehen drohten. In der Folge wurden nicht etwa konsumgeile Westler an der Mauer erschossen, sondern Menschen, die im kapitalistischen demokratischen System des Westens die persönlich bessere Alternative im Vergleich zur realsozialistischen Macht- und Gewaltstruktur für sich sahen.

Die einseitige geschichtsrevisionistische Darstellung der Mauer als Schutzwall gegen ein feindliches Außen verklärt diese zu einer netten Notwendigkeit, die in der Gänze ihrer Funktion bei einem Systemwechsel jederzeit wieder zu installieren wäre. Meint nicht Christel Wegner sondern andere.

Und: ohne Mauer ist das nicht meine Revolution.

Dafür wird dann Zizek bemüht, der sich in verlinktem Zitat aus „Die Tücke des Subjekts“ über die Notwendigkeit von Gewalt im Akt der politischen Befreiung äußert. Der erzwungene Systemwechsel geht zweifelsfrei nicht ohne Gewaltanwendung ab und benötigt auch diejenigen, die diese Gewalt befürworten und Handlungsmacht übernehmen. Als Beispiel führt Zizek die französiche Résistance zur Zeit der deutschen Besatzung an. Der Akt der Befreiung ist mit sogenanntem terroristischem Handeln verbunden. Soweit zur Abschaffung des herrschenden Systems. Was Zizek in dem Zitat NICHT behandelt ist die Gewaltanwendung nach der Befreiung. Hier werden seine Ausführungen für die Legitimation der Mauer in all ihren Konsequenzen mißbraucht. Wer das tut hat Zizek nicht verstanden.

Als Beispiel Zitate Zizeks über Macht- und Gewaltverhältnisse im Realsozialismus:

Es gibt also Dinge, die im Kommunismus besser waren?
Wenn ich nach dem höchsten Grad intellektueller Freiheit suche, dann waren das die letzten Jahre des Kommunismus. Die Machthaber wussten, dass ihre Zeit um war. Also versuchten sie verzweifelt, nett zu sein zu allem und jedem. Plötzlich wurden Homosexuelle nicht nur toleriert, die Regierung sandte sogar Delegationen, die den Schwulenorganisationen ihre Unterstützung versprachen, ihre Publikationen finanzierten usw.

Ich preise damit nicht den Kommunismus. Die Instrumente der Macht waren immer noch da. Aber sie wurden nicht mehr angewendet.

Wie wirkte sich die neue Meinungsfreiheit denn konkret aus?
Es kam zu den abstrusesten Situationen. Einige meiner Freunde – ich nenne sie nicht, sie würden mich dafür hassen – waren von den neuen Freiheiten irritiert. Auch sie wussten: Der Kommunismus ist am Ende. Aber sie erwarteten von ihm noch eine letzte Ehre: eine kleine Verurteilung, eine angedrohte Haftstrafe, ein hübsches Berufsverbot.

Unter dem Kommunismus hatte die Regierung Angst vor den Intellektuellen, denn das Wort zählte. Also wurde die freie Rede unterdrückt.

Wie erlebten Sie die Zeit davor, den ungebrochenen Realsozialismus?
Als Erfahrung faszinierend. Die Obszönität der Macht war überall und äusserte sich häufig paradox. Ich wusste von jungen Leuten im Gebäude des Zentralkomitees, die ihren Job verloren – nicht weil sie Dissidenten waren, sondern weil sie das System zu ernst nahmen! Das wurde von der Macht, der Nomenklatura, als gefährlich angesehen. Gerade wer der Ideologie zu sehr traut, muss unweigerlich feststellen, dass sie nicht funktioniert. Es amüsierte mich immer wieder, wie gerade die Mitglieder der Nomenklatura ihr System nie wirklich ernst nahmen. Es ging um Macht und um Posten. Das wollten meine westlichen Freunde nie wahrhaben, diese arroganten westlichen Linken, die uns Verrat am Sozialismus vorwarfen, uns erklären wollten, wie kostbar doch das Experiment Jugoslawien gewesen sei. Speziell ja, aber doch Unterdrückung.

Anmerkung zu letztem Zitat: Zizeks „zynische Untertanen“

aus: weltwoche 45/05

Vielleicht liegen letztlich darin die Gründe der Ostalgie, in der Vorstellung, dass mit dem Zusammenbruch des Realsozialismus trotz all seiner Schrecken und Fehlschläge etwas Kostbares verloren ging, ein einzigartiger utopischer Moment in unserer Geschichte…

aus: „Zurück an die Arbeit“, Die Zeit 18/2000

Ganz klar geht Zizek mit dem Realsozialismus in seiner Praxis der Macht- und Gewaltanwendung nicht konform und legitimiert damit in keinster Weise die Mauer.

Michael Mittermeier auf SPON

„Wenn wir schon kein Land überfallen können, dann können wir wenigstens unsere Handtücher irgendwo hinlegen.“ Das brauchen die Deutschen.

das lysische Paradoxon

Ich glaube, da liegt ein Irrtum vor: ich bin kein Lacanianer. Ich teile die Leidenschaft Žižeks für Lacan nicht. Interessant ist aber, dass man Žižek trotzdem mit Gewinn lesen kann.

Zizek ist kein Psychoanalytiker, er ist Soziologe.

Zwei Artikel mit Zizek Zitaten und bekennender Zizek-Vielleser. Soweit so gut, nur kann ich nicht nachvollziehen, wie Zizek gelesen werden will, wenn die lacanianische Begriffswelt inklusive ihrer Bedeutungen grundsätzlich abgelehnt wird. Ist doch ein Fokus Zizeks die Übertragung von Lacans Psychoanalyse auf andere Bereiche und seine Texte strotzen nur so von Begriffen wie Symptom, „das Andere“ und „das andere“, Verwerfung oder RSI (das Reale, das Symbolische und das Imaginäre). Die Erklärung Zizeks zum Soziologen macht diesen nicht dazu. Zizek studierte bei Lacanianer Jacques-Alain Miller und gilt als Anhänger der slowenischen-lacanianischen Schule (Laibacher Lacan Schule). Er betätigte sich auch auf soziologischem Gebiet, allerdings ist er doch mit seinem Werk eher philosophisch ausgerichtet. In Soziologie hat er einen Bachelor-Grad. Seinen Magister (1975) und seinen Doktor (1981) machte er in Philosophie. Darauf folgte 1985 der Doktortitel in der Psychoanalyse. Er hat Professuren in den Fakultäten der Soziologie, Psychoanalyse und Literaturwissenschaften. Das macht ihn für mich sehr viel mehr zum Psychoanalytiker und Philosoph als zu einem Soziologen. Und wenn Soziologe, dann auf Basis der lacanschen Psychoanalyse.

Sein Werk spricht hier ebenfalls in eine Richtung. Auszug:

„Liebe Dein Symptom wie Dich selbst! : Jacques Lacans Psychoanalyse und die Medien“
„Der Erhabenste aller Hysteriker. Psychoanalyse und die Philosophie des deutschen Idealismus“
„Die Metastasen des Genießens : sechs erotisch-politische Versuche“
„Die Nacht der Welt. Psychoanalyse und Deutscher Idealismus“
„Das Unbehagen im Subjekt“
„Ein Triumph des Blicks über das Auge: Psychoanalyse bei Alfred Hitchcock“
„Die Tücke des Subjekts“
„Willkommen in der Wüste des Realen“

Soziologie anyone?

Bin mal gespannt, wie sich das in den Kommentaren auflösen soll.

Emanzipation als infantile Wunschmaschine

Genfood vs. Matriarchat?

Wuhu ! Wir rücken der absoluten Emanzipation vom Manne näher, denn Wissenschaftlern aus Göttingen (?!) ist es gelungen aus weiblichen Mäuseknochenmark Stammzellen zu entnehmen und daraus Sperma zu gewinnen !

Hmm, aber wie war das mit der Gentechnik ? Die war doch böse.

Dumm nur, dass das blöde Genfood moralisch individuellen Allmachtsfantasien im Wege steht. Dabei verspricht doch die dämonisierte Gentechnologie die langersehnte Erlösung vom bösen biologischen männlichen Geschlecht. Nur die Verwendung der Gentechnologie in der Nahrungsmittelindustrie steht der Ablösung patriarchaler Gewalt noch im Wege. Der Kapitalismus machts möglich – der von ihm vorangetriebe technologische Fortschritt verspricht absolute Emanzipation und Endziel innerhalb des bestehenden Systems.

Da wird einem ganz Schwindelig, was ? Nun spricht die Wissenschaft von Revolution und dass das theoretisch auch beim Menschen funktioniert. Das theoretisch heisst natürlich, dass das im Moment noch unmöglich ist, wie das mit Theorien eben so ist…
Aber ich bin völlig fasziniert. Ist das die Abschaffung des Mannes ? Kann ich mich endlich mit Weibchen paaren ? Wer in Biologie aufgepasst hat, der weiß dass da nur Mädchen rauskommen, aber hey, das doch eh das Endziel, oder ?

Ja, da wird einem ganz schwindelig! Die Abschaffung des biologischen Mannes als Endziel der Emanzipation. Denn diese scheint Grundbedingung für eine gentechnologisch geschaffene Möglichkeit der Paarung unter Weibchen zu sein. Eine Revolution fordert immer Opfer – warum sollen diese nicht pauschal alle biologischen Männchen sein? Die braucht ja eh niemand mehr als Objekte biologischer Reproduktion. Als Subjekte kann dieser Abschaum der Menschheit von der wahren Emanze sowieso nicht anerkannt werden. Wieso auch? Denn dann müßte ja mal konkret nachgedacht werden, wie denn die Lösung für das Endziel auszusehen hat.

Prioritäten, die gilt es zu setzen, aber von solchen moralischen Zwängen wollte ich mich doch auch befreien. Tod oder Leben ? Gentechnik oder feministische Autarkie ?

Augenscheinlich entspringt die Absolutheit des theoretischen Endziels einem paranoiden Männerhass. „Leben“ bedeutet natürlich nur das Leben in einer männerbefreiten „feministischen Autarkie“. „Tod“ wird der Gentechnik gleichgesetzt – womit natürlich der letzte Satz völliger Blödsinn ist. „feministische Autarkie“ wird schließlich nur durch den „Tod“ des biologischen männlichen Geschlechts mit Hilfe der Gentechnologie erreicht. Die Priorität des theoretischen Endziels setzt das biologische männliche Geschlecht nicht mehr als Verhandlungsmasse – das muß weg. Der Vernichtungswunsch als Primat. Das theoretisch heißt natürlich, daß das im Moment noch unmöglich ist, wie das mit Theorien eben so ist…

Zum positiven gibt es praktisch auch reflektierte Feministinnen und diese sind weiter als das Infantile aus dem letzten Jahrhundert. Daß nicht jedes selbsternannte emanzipatorische Subjekt im Jetzt die gewünschte Handlungsmacht hat, erscheint wie ein Segen. Damit das so bleibt gründe ich einen Arbeitskreis zur Förderung von Genfood.

maise“ ist schon der richtige Name für den Blog – nur wird die doch mit „e“ geschrieben?

Wunschmaschine Subjekt und die Subjektivität

Standpunktwechsel – alles eine Frage des Subjekts?

Im Technologiediskurs und in der Soziologie vor allem der 80er und 90er Jahre wurde die These vertreten, dass das Subjekt durch Technologie verändert und dadurch eine neue Art von Subjekt konstituiert werde. Als allgemeine Grundannahme galt im Anschluss an McLuhan: Denken, Bewusstsein, Subjektivität und Ich sind durch Technologie veränderbar und in Technik nutzenden Gesellschaften stets bereits verändert. Die Subjektivität erscheint als Medium, in dem die Verbindung der einzelnen Elemente Ich, Subjekt, Bewusstsein, Selbstbewusstsein, neurologische Aktivität, Wahrnehmung, Person und Individuum relativ frei aushandelbar sind. Dabei steht die Subjektivität im Zentrum der Debatte um die Verhandelbarkeit von Technologie und Subjekt-Status. Im Diskurs um ihre direkte Veränderbarkeit durch Technologie geht es immer auch um die industriell intendierte Formung von Subjekten zu Konsumenten. (mehr…)