wenn das Identitäre wichtiger wird, als der Inhalt

Immer wieder Pali, langweilig. Trotzdem gab es gestern einen Kommentar auf narodnik, der mit seinem beschissenen hetzenden antisemitischen Inhalt eindeutig die Anschlussfähigkeit gezeigt hat, die den Palilappen egal aus welcher Motivation heraus als Symbol linker Inhalte disqualifiziert. Von Weltverschwörung, völkischem Widerstand bis zum großen Zion-Feldzug war alles dabei. Die deutsche Rechte hat sich auch nicht ein linkes Symbol angeeignet, sondern dem Symbol an sich waren schon immer rechte Inhalte immanent. Die Hetze hat narodnik richtigerweise so schnell wie möglich wieder gelöscht. Meinen Kommentar dazu auch, was wiedermal schön zeigt, dass die deutsche Linke lieber zensiert, um weiterhin in ihrem schönen falschen illusorischen Gebäude symbolgenerierter linker Identität zu bleiben, anstatt sich einzugestehen, dass wunschimplizierte Bedeutungen und Konstrukte nicht verhindern können, dass die dem Zeichen ursprüngliche Bedeutung Anschluss findet. Das Palituch war als Bauernbekleidung kein Symbol. Bedeutungsträger wurde es erst danach und an dieser Bedeutung richtet sich jede spätere Mythengenerierung aus.

Gestern den Antisemitenmist gelöscht – heute schon wieder einen Verteidigungstext des Lappens verlinkt. Das identitäre Konstrukt, und damit die eigene Subjektivität, ist einem Teil der deutschen Linken wichtiger, als inhaltliche Problematik. Das Außen muss ignorant verteidigt werden, da ansonsten der Trigger zur eigenen linken Wunschwelt fehlt. Anti-antideutsche Hetze scheint narodnik wichtiger zu sein, als sich mal inhaltlich mit der Problematik auseinanderzusetzen und mal zu hinterfragen, aus welchem Grund es auf seinem Blog solche Kommentare gibt, die seinem geposteten Beitrag widerspruchslos zustimmen und einen Schulterschluss zur Querfront gegen antideutsche Positionen üben.

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18 Antworten auf “wenn das Identitäre wichtiger wird, als der Inhalt”


  1. 1 Anonymer Wiesel 19. Dezember 2007 um 16:24 Uhr

    Wie praktisch, daß Du keine Israelfahne auf Deinem Blog hast und deswegen ganz unbefangen über identitäre Scheiße schreiben kannst. Das geht nicht jedem so..

  2. 2 scheckkartenpunk 19. Dezember 2007 um 16:33 Uhr

    ja, das ist praktisch, aber der grund ist nicht, um unbefangen über identitäre scheisse schreiben zu können (also eine strategische entscheidung). wenn identitäre symbole benötigt werden – bitte sehr. ich denke es wird nicht gebraucht. wenn dann ein identitäres symbol wirklich problematisch wird – spätestens dann sollte sich von ihm getrennt werden anstatt verzweifelt daran festzuhalten.

    ganz frei von symbolischer kommunikation bin ich auch nicht, siehe die cover meiner mixe. das ist dann aber eher visuelle kommunikation der gegenposition, da ich ohne tuch jedweder art durch die welt laufe.

  3. 3 Besserscheitern 19. Dezember 2007 um 18:12 Uhr

    Den Comment hast du nicht zufällig gespeichert? (narodnik ist ja fürs löschen bekannt, daher könnte es ja seien)

  4. 4 scheckkartenpunk 19. Dezember 2007 um 18:22 Uhr

    ich hab nur einen screenshot von google mit einem kleinen anriss – ich wollte den ganzen kommentar dazu auch nicht archivieren, da der inhalt wirklich unter aller sau war und narodnik ja jetzt inhaltlich nur ein opfer der anschlussfähigkeit ist. das was da stand wollte ich auch als screenshot nicht propagieren. die löschung des kommentars war absolut richtig – nur warum er dann meinen gleich mitlöscht ist mir ehrlich gesagt schleierhaft – aber ich glaub er mag mich nicht besonders.

    ich habe den artikel aber mal um den ausschnitt aktualisiert. der reicht auch, um den rest zu erahnen.

  5. 5 Leila 19. Dezember 2007 um 19:31 Uhr

    Hab mir heut ein neues Pali gekauft – gibts z.Z. für 2,50 (!) bei City-Girl! Nix wie hin!!!!!

  6. 6 scheckkartenpunk 19. Dezember 2007 um 22:49 Uhr

    ja, dann steht ja einem fruchtbaren kontakt mit lutz nichts mehr im wege. herzlichen glückwunsch! da wirst du jetzt bestimmt in interessante gespräche mit gleichgesinnten verwickelt.

  7. 7 narodnik 19. Dezember 2007 um 22:49 Uhr

    Tütenkasper!

    Wenn irgend ein Antizionist meint er müsse über Israel hetzen, dann nicht auf meinem Blog. Spam von Antideutschen Idioten die meinen das Palituch wäre per se antisemitisch hat da aber auch nichts verloren – eben weil es so argumentlos ist.

    Wenn sich irgendein Antizionist über die palästinensische Sache freut, dann ist das schonmal etwas anderes als das Tragen des Palituchs aus einer emanzipatorischen, anti-kulturalistischen Tradition heraus die eben nicht notwendig Israel sich zum Feind macht, sondern einfach grundsätzlich was gegen eurozentristische Metropolenbauern hat die mal eben die halben Mittleren Osten als antisemitisches Mörderland abkanzeln.

    Als wäre es eine logische Unmöglichkeit nen Palituch zu tragen und gleichzeitig antizionistische Ideologien radikal zu kritisieren.

    Aber für Argumente zur Sache ist so einer wie du ja nicht zu haben – da genügt dann ein Christian Worch mit Palituch und fertig. Nazis, Linke, alles dasselbe!

  8. 8 scheckkartenpunk 19. Dezember 2007 um 23:03 Uhr

    ja, schade, dass du zur sache auch nicht nachdenken kannst. ich habe im artikel nirgends geschrieben, dass nazis und linke das selbe sind – das ist eine wunschimplikation von dir, die aus deinem antideutschenhass heraus entstanden ist.

    in meinem blog gibt es solche kommentare nicht. punkt. wieso ist es eigentlich unmöglich für dich, deinen standpunkt ohne den lappen zu vertreten? brauchst halt was zum festhalten und rückversichern oder wie ist das erklärbar?

    argumente zur sache fallen bei dir ja leider nicht auf fruchtbaren boden, der eintrag bei dir ist für mich jedenfalls ein ziemlich deutliches argument, warum das nutzen solcher symbole schwachsinn ist und eben absolut nichts zur sache beiträgt, ein bestehen auf solchen äusserlichkeiten nichts ausser dem eigenen ich-design zu schulden ist. jeder wie er will, gegen argumente „zur sache“ auf deinem blog habe ich hier glaube ich genug antworten geschrieben.

    mit tüten hab ich nichts zu tun, wenn dann bitte suppenkasper. aber ich würde mich über qualitativ bessere beschimpfungen mehr freuen.

    wieso eigentlich ‚emanzipatorische, anti-kulturalistische Tradition‘, wenn doch die bestrebungen und absichten, die mit dem tuch verbunden sind auf einen nationalsstaat hinauslaufen? genau das kann ich sowieso nicht nachvollziehen. die heroisierung der palästinenser als staatenloses proletariat, das jedoch keinen größeren wunsch hat, als staatsgebundenes proletariat zu werden – das ganze genau auf nationale und kulturelle variablen begründet. wie ist das vereinbar, um sich eines solchen symbols zu bedienen, dass in seiner ursprungsverortung doch ganz andere bedeutungen in sich vereint?

  9. 9 narodnik 19. Dezember 2007 um 23:24 Uhr

    Das Palituch trägt ja nicht nur der palästinensische Nationalist, sondern auch der jüdische Anarchist und der arabische Linke… also von daher ist das doch nicht widerspruchsfrei Symbol einer Staatsgründung.

    Es halt auch unabhängig davon ne Geschichte hierzulande, man denke an die Anti-AKW-Bewegungen ab den 1970ern. Jetzt alles auf Palästina herunzerbrechen zu wollen ist doch blöd.

  10. 10 scheckkartenpunk 19. Dezember 2007 um 23:47 Uhr

    naja, ich denke überhaupt etwas über das tuch als symbol kommunizieren zu wollen ist keine gute idee. eben weil es nicht widerspruchsfrei ist.

  11. 11 narodnik 20. Dezember 2007 um 0:39 Uhr

    Wir könnten uns ja auch darüber streiten ob es okay ist nen Bundeswehr-Parka zu tragen, der ja auch von Linken in den 70ern quasi zum Markenzeichen gemacht wurde… das ist dann eine Modefrage.

    Und ich mache das Palituch bestimmt nicht zum politisch aussagekräftigen Zeichen. Ich finde es (habe nur dieses in scharz-weiß) halt einfach sehr praktisch da es warm hält und chic zugleich.

    Ich empfehle dir vielleicht auch so einfach mal: „Ölzweig und Kalaschnikov“ (Unrast-Verlag“, dort wird die Geschichte der palästinensischen Linken aufgerollt. Gibt vielleicht mal eine Perspektive auf die Unterschiedlichkeit der Bewegungen dort.

  12. 12 narodnik 20. Dezember 2007 um 0:41 Uhr
  13. 13 difficultiseasy 20. Dezember 2007 um 0:41 Uhr

    „Es halt auch unabhängig davon ne Geschichte hierzulande, man denke an die Anti-AKW-Bewegungen ab den 1970ern. Jetzt alles auf Palästina herunzerbrechen zu wollen ist doch blöd.“

    das is doch unsinn. ohne palästina würden das teil nur ein paar ganz begeisterte orientalisten tragen.

  14. 14 narodnik 20. Dezember 2007 um 0:52 Uhr

    Die palästinensischen Araber sind aber kein monolithischer Block – genausowenig wie die israelischen Juden (die sich ja auch nicht nur aus waffenstarrenden Siedlern zusammensetzen).

    Problem wird wohl eher sein, daß dich die Palästinenser einen Scheißdreck interessieren und du nur gerne deinen metaphysischen Lückenfüller, Israel, pflegen möchtest. Ideologiekritische Reduktion nennt man sowas:

    „Die unbedingte Verteidigung der Existenz Israels kann gleichzeitig nicht von der realen gesellschaftlichen Entwicklung Israels als kapitalistischer Kri­senregion abstrahieren. Denn die Reduktion gesellschaftlicher Entwicklung auf die ideologische Sphäre und damit die Reduktion der Kritik auf Ideologiekritik, gar in zusätzlicher Engführung auf das antisemitische Syndrom, würde das Verhältnis von Gesellschaft und Ideologie auf den Kopf stellen und die Ideologiekritik selber in Ide­ologie verwandeln.

    Insofern ist es auch falsch, aus der Perspektive radikaler Kritik die Geschehnisse im Nahen Osten ausschließlich unter das krisenideologische Aufblühen des Antise­mitismus im Westen und speziell in Deutschland zu subsumieren, um dann unter dem Vorwand, die Thematisierung der gesellschaftlichen Entwicklung in Israel „nütze“ bloß dem Antisemitismus, diese reale Entwicklung auszublenden oder sogar schönzufärben.“

    (R.K.)

  15. 15 Anonymer Wiesel 20. Dezember 2007 um 2:54 Uhr

    Ist denn die Identifikation mit einer bestimmten Gegenposition zwangsläufig weniger identitär? Ist es nicht vielmehr eher identitär, wenn man einem Kleidungsstück Aussagen zuschreibt, um sich davon abzugrenzen, als wenn man ein Kleidungsstück mit Gleichgültigkeit gegenüber seinen vielfältigen kulturellen Bedeutungen und Widersprüchen trägt?

    Wäre es im übrigen unter identitärem Gesichtspunkt in irgendeiner Form besser, wenn ich mir z.B. nur deswegen ein Palituch kaufe, um einen Statement gegen diese dümmlichen Anti-Palituch Texte zu setzen?

    Und ich neige wirklich langsam dazu. Aber ich würd dann garantiert keines von Bulimie-Bitch oder so ähnlich für 2,50 nehmen, sondern natürlich nur ein liebevoll von palästinensischen Kinderhänden geknüpftes. Gibts sowas überhaupt? --- Oh, im Internet findet man ja wirklich ALLES.

  16. 16 scheckkartenpunk 20. Dezember 2007 um 3:32 Uhr

    ich hab mir nichts gekauft. aber ich schreibe auch nicht „sz“ statt „ß“. ;) ich gender auch nicht.

    positionen einnehmen ist nicht das selbe wie symbole als zwingendes identifikationsmerkmal nutzen müssen. eine position nehme ich (zumindest ich für mich) für mich selbst nach auseinandersetzung mit dem kontext ein. so ein symbol als identifikationsmerkmal dient ja nur zur kommunikation und als erkennungsmerkmal in/zwischen gruppen. das palituch z.b. kommuniziert eine zugehörigkeit, nur welche ist überhaupt nicht klar (links, rechts, modeopfer?). anders als ein schwarzer schal von h&m – das ist nunmal unbestritten so. die unterschiedlichen zuschreibungen kommen ja nicht von mir, die wurden von anderen gemacht und sind jetzt halt mit bedeutungen an den träger (das tuch, nicht den träger des tuches) geknüpft, allerdings haben die zuschreibungen unter sich auch schon verknüpfungen (nicht alle die selben, aber über umwege sind alle miteinander gekoppelt).

    wenn du ein palituch kaufen willst, dann mach es, aber bitte nur von den kindern, die diese in palästina knüpfen müssen und du so deine finanzielle unterstützung einer wirtschaftlich stark benachteiligten region ausdrücken willst. nur tragen musst du es deswegen ja nicht.

    unproblematisch ist das tuch ja nicht, wie der kommentar gezeigt hat. genau da ist doch der punkt, den sinn dieses symbols bzw. seiner anwendung zu hinterfragen bzw. zu hinterfragen warum das jetzt unbedingt dieses symbol sein muss, wenn da wirklich abzulehnendes mit beinhaltet ist. geht doch auch so. ganz ohne so nen mist. von mir aus auch mit nem anderen eindeutigen symbol, wenn es denn unbedingt benötigt wird.

  17. 17 trick 31. Dezember 2007 um 18:47 Uhr

    muahahaha… der Punk mischt die Welt der Pallituchträger auf, alter du bist zu geil!

    guten Rutsch

  1. 1 Antideutsche Kritik, haha | NARODNIK Pingback am 19. Dezember 2007 um 23:32 Uhr
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