Rave ist kein Hobby #4: Kontrollverlust

Nachdem ich ja das letzte Wochenende hart gearbeitet hatte, aber aufgrund dessen am Sonntag zu keinem Arbeitsbericht mehr in der Lage war, liefere ich heute mal lieber einen ab, da mir von verschiedenen Seiten schon vermeintliche Arbeitsverweigerung unterstellt wurde.

Der Donnerstag ist der alte Freitag – nicht bei so’nem alten Sack wie mir. Ich beschloss mein Arbeitspensum direkt auf’s Wochenende zu verschieben und war nur was trinken. Am Freitag dann erstmal zu ner alten sehr guten Freundin, die ich sträflicher Weise schon über ein Jahr nicht mehr getroffen habe. Gemeinsames Update und ich beschließe, dass die Fristen verkürzt werden müssen. Nachdem mit beiläufigen Getränken die Ausgehlaune auch exponentiell zunahm, brachen wir auf ins Eel Pie. War ich beim Egotronic Konzert das erste mal und ich mag kleine Clubs. Gute Voraussetzungen, aber ich schloss zur Sicherheit lieber noch ne Partyversicherung ab, bei Gelegenheit mal drüber nachdenken, ob da die bürgerliche Restmentalität durchschaut. Wir kommen zum Auftritt von Tyskerhar, heisst anscheinend Vokuhila auf Schwedisch, aber irgendwie hab ich eher die Assoziation zu „deutsches Haar“. Musik ist ganz nice, aber der Sound ist beschissen. Naja erst mal Bier holen. Sobald der DJ übernahm stimmt schlagartig die Soundqualität – entweder unfair vom Club oder der elektronische Akt hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Es bratzt ordentlich und unterhielt ich mich kurzweilig auf dem Dancefloor. Als ich gegen 5 wieder Richtung Fhain aufbrach bemerkte ich noch eine Restarbeitslust, so dass ich noch die Revalerstraße aufsucht, nur um überall genau zur Türschließung anzukommen, naja genug gearbeitet für heute.

Samstag – aufgrund diverser Umstände war das Arbeitsziel festgelegt: Kontrollverlust. Kompensation durch Arbeit ist ja ein gängiges Muster in dieser Gesellschaft. Die Messlatte liegt hoch, mal sehen. Im Zug der momentan so hippen Bahnstreiks wird ja aufs Auto umgestiegen und so hatte ich mir für den heutigen Abend einen schnuckligen kleinen blauen Mitsubishi reserviert. Erstmal zu guten Freundinnen vorarbeiten. Irgendwann steige ich in den Mitsubishi ein und wir fahren mit dem Taxi zum Rosis. Edecay ist ja musiktechnisch überhaupt nicht mein Fall, ich würde keinen einzigen Tune aus seinen Sets kaufen. Allerdings schafft er es immer wieder mich so mitzunehmen, dass ich immer richtig Spaß habe. Guter DJ würde ich mal behaupten. So auch dieses mal: rein in den Club und loswackeln. „Wir sind die coolsten wenn wir cruisen…“ – ob wir cool sind weiß ich nicht, aber der Motor schnurrt wie ein Kätzchen und zieht gut von unten durch. Ich cruise also und treffe jede Menge bekannter Gesichter, beste Voraussetzungen zum arbeiten. Rave ist kein Hobby, also ist eine angenehme Arbeitsumgebung schon die halbe Miete. Meine Barfrequenz war im höheren Bereich und irgendwann fand ich mich dann im Gespräch mit einer mir bisher Unbekannten wieder. Ich war ausgesprochen positiv angetan, so dass ich über eine Korrektur meines Arbeitsziels nachdachte. Irgendwann gerät der Mitsubishi ins Schlingern – Don’t Drink And Drive! Ich beschließe für den Rest des Abends auf harte Spirituosen zu verzichten. Zu spät – hochmotiviert hatte ich meinem Arbeitsziel schon beflissen entgegengearbeitet – kurz danach setzte dann die Automatik ein und das Gehirn aus. Als wir dann gegen Acht den Club verließen, entschließt sich meine charmante Begleiterin ihren Weg alleine zu bestreiten. Eine gute Wahl und die einzig richtige. Ich hätte mich selbst auch auf gar keinen Fall mit heim genommen. Diese externe Qualitätsabnahme meiner Arbeit bestätigte dann noch, dass ich das Ziel des Abends hundertprozentig erreicht hatte und ich konnte zufrieden heimfahren. Der heutige Morgen allerdings war schrecklich: mir ging’s blendend, die anstrengende Arbeit hinterließ keine Spuren. Jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen und fühle mich schlecht, wenn ich meinem Mitbewohner über den Weg laufe, der aufgrund von Nachwirkungen freitäglicher Aktivitäten am Samstag eine Auszeit nehmen musste. Wenn das blöde Beatport nicht ständig die Downloads abbrechen würde, da wäre mir danach an den Plattenspielern das Wochenende nachzuvertonen.

Kontrollverlust ohne Reue – vielleicht sollte ich nächste Woche mal Urlaub machen.

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4 Antworten auf “Rave ist kein Hobby #4: Kontrollverlust”


  1. 1 Currykhan 18. November 2007 um 21:32 Uhr

    Yeah! Das nenne ich noch Arbeitsmoral!!!

  2. 2 deinemayk 20. November 2007 um 23:18 Uhr

    Wie was… nicht in der Lage???

  1. 1 Song der Woche 14 | Tschilli gegen Deutschland Pingback am 19. November 2007 um 0:53 Uhr
  2. 2 Rave ist kein Hobby: Kontrollverlust - Der Soundtrack | Scheckkarte Als Passion Pingback am 20. November 2007 um 0:15 Uhr
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